
Armenien befindet sich weiterhin in einer Phase erheblicher außen- und innenpolitischer Veränderungen. Besonders das Verhältnis zu Russland bleibt angespannt, während die armenische Regierung ihre Beziehungen zur EU und zum Westen vertieft. Gleichzeitig bleibt Russland wirtschaftlich und vor allem im Energiebereich von großer Bedeutung. Der Außenhandel mit Russland hat eine existentielle Bedeutung auf Grund des Volumens. Eine weitere Verschlechterung der Beziehungen könnte daher spürbare wirtschaftliche und energiepolitische Folgen fürArmenien haben.
Im Verhältnis zu Aserbaidschan hat sich die Sicherheitslage etwas beruhigt. Ein endgültiger Friedensvertrag steht jedoch weiterhin aus. Baku fordert Änderungen an der armenischen Verfassung. Gleichzeitig arbeitet die Regierung Paschinjan an einer neuen Verfassung, in der unter anderem der bisherige Bezug auf die Unabhängigkeitserklärung von 1990 entfallen soll. Die Regierung bezeichnet dies als eigene innenpolitische Reform. Jedoch wird diese Frage in Armenien kontrovers diskutiert.
Auch der Iran ist für Armenien von großer Bedeutung. Das Land bietet eine wichtige südliche Handelsverbindung und eine alternative Gasversorgung zu Russland. Während der derzeitigen Unterbrechung russischer Gaslieferungen wird zusätzliches Gas aus Iran bezogen. Gleichzeitig erhöht der Krieg in Iran die Unsicherheit. Eine weitere Eskalation könnte Handelswege, Energieversorgung und Preise auch in Armenien beeinflussen.
Innenpolitisch sorgt außerdem der anhaltende Konflikt zwischen der Regierung und der Armenischen Apostolischen Kirche für Spannungen.
Für die Bevölkerung bedeutet diese Unsicherheit vor allem anhaltenden wirtschaftlichen Druck, Preissteigerungen und Sorge um Energieversorgung und Sicherheit. Das Leben ist auch in Armenien sehr teuer geworden und für viele kaum noch zu bewältigen.
Für unsere Arbeit heißt das, flexibel zu bleiben, Entwicklungen eng zu beobachten und besonders dort zu unterstützen, wo Familien durch steigende Lebenshaltungskosten und neue soziale Belastungen zusätzlich unter Druck geraten.
Baru Jambazian, Leiter DCF Armenien




