
Liebe Freunde,
Armenien erlebt derzeit eine Phase tiefer innerer Anspannung. Politisch bewegt sich das Land auf die kommenden Wahlen zu, doch anstelle von Zuversicht prägen Unsicherheit, Angst und gesellschaftliche Polarisierung das öffentliche Klima. Kritische Stimmen aus Opposition, Zivilgesellschaft und Kirche berichten zunehmend von Druck, Einschüchterung und Entscheidungen der Regierung, die demokratische Prinzipien aushöhlen und das Vertrauen in staatliche Institutionen schwächen.
Der ungelöste Konflikt mit Aserbaidschan wirkt weiterhin wie ein permanenter Schatten. Obwohl offiziell von Frieden gesprochen wird, empfinden viele Menschen die laufenden Verhandlungen als erzwungen und unausgewogen. Grenzfragen, Sicherheitsgarantien und mögliche Transitregelungen werden hinter verschlossenen Türen diskutiert und nähren die Sorge, dass nationale Interessen geopfert werden könnten. Die Angst vor neuer Eskalation ist allgegenwärtig.
Besonders spürbar ist auch die Zuspitzung des Konflikts zwischen Staat und Armenischer Apostolischer Kirche. Öffentliche Konfrontationen, gegenseitige Vorwürfe und staatliche Maßnahmen gegen kirchliche Akteure haben eine tiefe Identitätskrise ausgelöst, da Kirche und Nation für viele untrennbar verbunden sind.
Die soziale Lage bleibt angespannt. Vertriebene aus Bergkarabach kämpfen weiterhin um Stabilität, während Inflation, Abwanderung und Perspektivlosigkeit zunehmen. Gleichzeitig gibt es wirtschaftliche Lichtblicke imTechnologie- und Dienstleistungssektor – sie erreichen jedoch nur einen Teil der Bevölkerung.
In diesem Spannungsfeld begleiten wir Menschen, die zwischen Angst, Resignation und Hoffnung stehen. Ihre Unterstützung ermöglicht es uns, gerade jetzt Nähe, Hilfe und Orientierung zu geben.
Von Herzen danken wir Ihnen dafür!
Baru Jambazian, Leiter DCF Armenien




